Editorial Globetrotter-Magazin


Globetrotter Magazin

Magazin Nr. 124

Dieser eine magische Moment

Liebe Weltentdecker

Flughafen Auckland, Neuseeland, Mitte der 1980er-Jahre. Ich stehe in der Warteschlange bei der Sicherheitskontrolle. In der linken Hand den Tagesrucksack, in der rechten eine Plastiktüte mit zwölf belichteten Diafilmen. Ich will unter keinen Umständen, dass die Filme mit dem Handgepäck durchs Röntgenprüfgerät laufen. Denn ich sorge mich um die Fotos, will nicht, dass sie beim Durchleuchten Schaden nehmen. Die Beamtin blickt mich fragend an, als ich nur den Rucksack aufs Band lege und mit der Tüte in der Hand an ihr vorbeigehen will. Unwirsch fordert sie mich auf, die Tüte aufs Band zu legen. Ich schüttle den Kopf, halte ihr eine Filmdose unter die Nase. Nun wird die barsche Lady laut. Das Gerät sei für Filme absolut sicher, ich solle endlich vorwärtsmachen.
Während ich trotzig «No, I don’t trust this machine» zwischen den Zähnen hervorpresse, drücke ich die Tüte an mich. Die Resolute will gerade einen weiteren Wortschwall über mich ergiessen, als sich unsere Blicke nochmals kreuzen. In diesem Moment erkennt sie wohl meine Unbeugsamkeit, meinen Willen, die Filme bis aufs Blut zu verteidigen, denn sie winkt mich resigniert durch und schickt mir ein genervtes Kopfschütteln hinterher.
Wenn ich heute an diese Szene zurückdenke, muss ich staunen. Wie wichtig müssen mir meine Reisefotos damals gewesen sein! Beim Unterwegssein hütete ich die Filme wie kleine Kostbarkeiten. Und das waren sie ja tatsächlich auch, denn zu jener Zeit waren Fotos aus fernen Ländern exklusiv und einzigartig. Für mich bildeten sie nach der Rückkehr eine Art visuelle Brücke in die weite Welt.

 

Und heute? Die Welt der Fotografie ist eine völlig andere geworden. Die permanente Verfügbarkeit einer Kamera dank dem Smartphone macht uns alle zu kleinen Fotoreportern. Das Foto als alltägliche Kommunikationsform hat zwar durchaus seinen Reiz, mit der kreativen Suche nach einem guten Bild hat diese Art Fotografie aber wenig zu tun. Knipsen, knipsen, löschen, löschen, knipsen, löschen, knipsen… statt schauen – gestalten – auslösen. Der wohl bedeutendste amerikanische Naturfotograf Ansel Adams sagte zum Thema Bildqualität: «Zwölf gute Fotos in einem Jahr sind eine gute Ausbeute.» Ich muss zugeben, auch ich gerate zeitweise in den Strudel des Smartphone-Knipsens, doch auf Reisen verwandle ich mich in den Fotografen von früher und bin wieder auf der Suche nach dem magischen Moment und dem ganz besonderen Bild. So geht es auch dem Fotojournalisten Heiko Beyer. In der Titelgeschichte «Dem Rückgrat Südamerikas entlang» zeigt er auf 16 Seiten beeindruckende Bilder aus den sieben Andenländern von Venezuela bis Chile. Um den Aufnahmen genug Raum zu geben, ist der Text für einmal etwas kürzer. In Episoden erzählt Heiko Beyer die Geschichten zu den Fotos.

 

Das ganze Globetrotter-Magazin-Team wünscht euch einen entspannten Jahresausklang, inspirierende Reisen im Jahr 2018 und viel Freude auf der Suche nach dem magischen Moment – mit
oder ohne Kamera.

 

Herzlich

Andy Keller

Navigation

Impressum

Kontaktieren Sie uns

Unter dieser Nummer erreichen Sie unsere Reiseberater während den Öffnungszeiten der Filialen.

0848 000 844(Festnetz-Tarif)

BESTELLANGABEN

Ihr Warenkorb ist zur Zeit leer.

MERKLISTE